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Geschichte

Die Stadt Wilster hat mittlerweile ihren dritten Friedhof, soweit dies aus den Chroniken der Stadt und den Kirchenbüchern zu entnehmen ist.
Der erste Friedhof befand sich direkt bei der Kirche und umsäumte das alte Gotteshaus. Der Kirchplatz und jetzige Marktplatz war, wie damals üblich, erheblich erhöht und als Warft angelegt worden. Man konnte durch mehrere Pforten auf den Friedhof gelangen.
Für Wagen und Fussgänger befand sich jeweils eine Doppelpforte zum Kohlmarkt und zur “Goeten”. Eine Pforte ging zum “Klüversgang” (jetzt Bartholomäusgang). Über diesen Weg wurden später die Verstorbenen zum neuen Friedhof gebracht. Ferner führten Pforten zur Zingelstraße (früher Schulstraße)und zur Achterstrat (jetzt Burger Straße) sowie zum Hauptpastorat.
Dieser erste Friedhof war eng belegt. Aus Platzgründen wurde in bis zu drei Schichten übereinander, bis zu einer Tiefe von 3,50 m bestattet.
Es soll sich auch noch ein Brunnen auf dem Kirchhof befunden haben.

Im Jahr 1599 wurde auf Veranlassung des Gesamtkirchspiels ein neuer Friedhof auf der anderen Seite des Burggrabens angelegt. Zunächst wurden mehrere Ländereien hinter den Häusern der Zingel- und Deichstraße erworben. Das Gelände wurde erheblich erhöht, die erforderliche Erde vom kircheneigenen Gelände in der Nähe der Rumflether Mühle abgetragen und mit Aukähnen transportiert.
Im Jahr 1604, am 23. September, wurde der neue Friedhof von den Pastoren Michaelen und Boien mit einer christlichen Predigt eingeweiht.
Ein junger Wilsteraner Namens Ploen war später von der neuen Anlage förmlich begeistert, er äusserte: “Der neue Friedhof ist gewiss von einem menschenfreundlichen Prälaten (kirchlicher Titel für einen höheren geistlichen Würdenträger) angelegt, damit er seinen Untergebenen den Tod versüsse.” Und unbedenklich wendete er die Worte an, die er vor einem Kloster in Düsseldorf gelesen hatte:

Hier Schlängeln junge Reben sich,
hier scheinen der Verwesung Schrecken,
sich in den Schatten grüner Hecken
und dichter Bäume zu verstecken:
Ihr Freunde, hier begrabet mich.

Sein Wunsch wurde ihm 1793 erfüllt.

.Wie eine Beerdigung auf diesem Friedhof verlief, beschrieb ein Herr Schumacher wie folgt:
Angelangt von der Kirche auf dem Friedhof, der rundherum gepflastert war, machte der Zug erst einmal die Runde um den ganzen Platz. Beim zweiten Rundmarsch wurde am Grab Halt gemacht. Hier wurde ein dritter Gesang gesungen, danach das “Vater unser” gebetet und ein Schlussvers gesprochen.

Auf Grund der wachsenden Bevölkerungszahl des Kirchspiels wurde aber auch dieser Friedhof bald zu klein und somit musste man sich schon bald um einen neuen Begräbnisplatz kümmern. 1859 wurde der Friedhof am Stadtrand eingeweiht. Es fanden allerdings noch vereinzelt Bestattungen auf dem Friedhof in der Stadt statt.

1896/97 wurde der Friedhof in der Stadt eingeebnet. Alte Grabsteine von künstlerischem Wert wurden 1895 auf dem jetzigen Friedhof aufgestellt. Vier davon um das Denkmal der 48 er herum, das Denkmal wurde später entfernt, die Gedenkplatten finden sich im Turmaufgang der Auferstehungskapelle, die 4 Grabstelen befinden sich auf dem Mittelplatz des Friedhofes, der auch für die Abschiedsnahme am Sarg, der zur Kremierung gefahren wird genutzt wird.

Aus dem alten Friedhof in der Stadt wurde der heutigen Stadtpark.

Noch einiges über den Friedhof an seinem jetzigen Standort:

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts trug sich die Kirchengemeinde mit dem Plan, einen neuen Friedhof anzulegen.

Von einigen Plätzen, die zur Auswahl standen, wählte man den jetzigen Platz auf dem sogenannten “kleinen Brook”, wozu noch Land von dem Hofbesitzer Jakob Heesch aus Bischof gekauft werden sollte. 1857 untersuchte der Ingenieur Mencke den Platz auf seinen sachgemäße Brauchbarkeit und der Landmeister Laackmann nahm eine Genaue Ausmessung vor. Insgesamt handelte es sich um ein Areal von 2,14 ha.

Gegen diesen neuen Platz erhoben die Gemeinden Ecklak, Seedorf und Aebtissinwisch die schwersten Bedenken, weil der Weg durch die Stadt bis zur Begräbnisstätte nun 20 Min. länger wäre. Man blieb jedoch bei dem Entschluss und 1859 wurde der ältere Teil des jetzigen Friedhofes in Benutzung genommen. Vorher aber zog man um das Gelände einen Graben, damit eine bessere Entwässerung erfolgen sollte. Die gewonnene Erde wurde zur Erhöhung de Friedhofsgeländes benötigt.

Die wahrscheinlich erste Beerdigung fand am 11. Dezember 1859 statt, mit nur sechseinhalb Jahren wurde Johann Andreas Tenzer bestattet.

Wegen des Zuweges durch die Allee übernahm die Kirchengemeinde beim Ankauf des Platzes von der Stadt die Verpflichtung, die Kosten der Straßenpflasterung ganz und die Erneuerung der Schweinsbrücke zur Hälfte zu tragen. Die Schweinsbrücke wurde 1878 neu gebaut, die Kirchengemeinde zahlte excl. der Pläne und ähnl. 2859,85 Mark.

Bereits 1886 wurde eine Erweiterung des Friedhofes in Planung genommen. 1893 wurde der Rest des “kleinen Brooks” hinzuerworben und wiederum ein entsprechendes Stück Land vom Bauern Heesch.

Im Jahr 1964 war man der Meinung, dass auf Grund der Belegung und des Wirtschaftswachstums und damit erwarteten Zuzuges in die Marsch eine weitere Erweiterung des Friedhofes notwendig sein würde und man erwarb schließlich das Gelände zwischen Friedhof und Ostlandsiedlung vollständig, die Fläche wurde jedoch zum Teil im Jahr 2007 wieder aufgegeben. Die Stadt Wilster errichtete hier, die für die Stadtentwässerung notwendigen Regenrückhaltebecken. Der Bereich war nie dem Friedhof für Bestattungen zugeschlagen worden, sondern nur Brachland.